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Geschichte des Stadtarchivs Greifswald

Das Greifswalder Rathaus - bis Mitte der 1980er Jahre Domizil des Stadtarchivs
Das Greifswalder Rathaus - bis Mitte der 1980er Jahre Domizil des Stadtarchivs (StAG)

Das Stadtarchiv Greifswald ist hervorgegangen aus dem alten Ratsarchiv. Dessen Ursprünge sind auf die seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts nachweisbare Tätigkeit der Kanzlei des Rates zurückzuführen. Die Überlieferung reicht zurück bis in die Zeit des ausgehenden Mittelalters.







Stadtrechtsverleihungsurkunde vom 14. Mai 1250 (StAGSiegeltypare (StAG)
Stadtrechtsverleihungsurkunde vom 14. Mai 1250 (StAG)
Siegeltypare (StAG)

Zwischen 1822 und 1825 kam es erstmalig zu einer grundlegenden systematischen Ordnung des im Rathaus befindlichen Archivs durch den Ersten Syndikus und späteren Bürgermeister Dr. Carl Gesterding (1774-1843; Bürgermeister seit 1833), der darüber hinaus auch als Begründer der Greifswalder Stadtgeschichtsforschung gilt. Auf Gesterdings Initiative hin wurde das Archiv 1835 erstmals hauptamtlich besetzt: Der aus dem Verwaltungsdienst kommende Carl Johann Berlin führte die Amtsbezeichnung "Archivar und Registrator". Während seiner fast dreißigjährigen Amtszeit konnte Berlin das von Gesterding geschaffene Ordnungsschema im wesentlichen aufrechterhalten. Nachdem er jedoch 1874 krankheitsbedingt aus dem Dienst ausscheiden musste, begann der mehrere Jahrzehnte währende Niedergang des Archivs. Mehr schlecht als recht nebenamtlich oder durch interessierte Laien betreut, mehrfach um- und ausgelagert, zeitweilig zum Teil gar als Depositum an nichtstädtische Einrichtungen übergeben, wurde den Beständen nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die ihnen ihrer Bedeutung gemäß gebührt hätte. Auch die Anstellung des promovierten Historikers Günter Linke im Juli 1938 blieb eine nahezu folgenlose Episode, da der neuberufene Stadtarchivar, dem überdies die Leitung des Museums und der Volksbibliothek oblag, bereits im August 1939 zum Kriegsdienst eingezogen wurde, aus dem er nicht zurückgekehrt ist. Das gänzlich vernachlässigte und buchstäblich verwaiste Stadtarchiv hatte als Institution aufgehört zu existieren.


 

Ehemaliger Magazinraum des Stadtarchivs im Rathaus, 1960er Jahre (StAG)
Ehemaliger Magazinraum des Stadtarchivs im Rathaus, 1960er Jahre (StAG)

Ab 1954 erfolgte der Neuaufbau des Stadtarchivs unter der Leitung des verdienstvollen Rudolf Biederstedt, auf dessen Ordnungsarbeiten die heutige Bestandsgliederung zurückgeht. Unter Biederstedts Amtsnachfolger Franz Scherer (1984-1996) zog das Stadtarchiv Mitte der 1980er Jahre vom Rathaus in sein heutiges Domizil Arndtstraße 2 an der südöstlichen Peripherie der Altstadt

Literaturhinweise

Rudolf Biederstedt (Bearb.): Übersicht über die Bestände des Stadtarchivs Greifswald und archivalischer Quellennachweis zur Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung, Greifswald 1966 (Quellen zur vorpommerschen Regionalgeschichte, hrsg. vom Kulturhistorischen Museum Stralsund, vom Stadtarchiv Stralsund, vom Staatsarchiv Greifswald, vom Museum Greifswald und vom Stadtarchiv Greifswald), Greifswald 1966 Rudolf Biederstedt: Geschichte des Stadtarchivs Greifswald. In: Greifswald-Stralsunder Jahrbuch; Bd. 2, 1962, S. 165-206 Uwe Kiel: „Gedächtnis der Verwaltung“ und Quelle der Historiographie. Ein Beitrag zur Geschichte des Stadtarchivs Greifswald. In: Greifswald. Geschichte der Stadt, hrsg. von Horst Wernicke im Auftrag der Hansestadt Greifswald, Schwerin: Thomas Helms Verlag, 2000, S. 431-441 Uwe Kiel: Das Stadtarchiv Greifswald. In: Stier und Greif. Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern, 9. Jg., 1999, Schwerin 1999, S. 121-127

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