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Bartholomäus Grill

Der 5. Koeppen-Preisträger im Jahr 2006 war Bartholomäus Grill.
Er wurde 1954 in Oberaudorf am Inn geboren. Grill studierte Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte wurde dann freier Kulturjournalist bei der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg und bei der taz in Berlin. Er volontierte ab 1984 beim Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt in Hamburg und wurde dort Kulturredakteur. 1987 wechselte er zum Politischen Redakteur bei „Die Zeit“ und wurde daraufhin Korrespondent in Afrika und schrieb Reportagen für „Geo“. 1995 schrieb er „Der letzte Treck. Südafrikas Weg in die Demokratie“, 1999 erschien seine Tierfabel „Safina“ und 2003 wurde sein Werk „Ach Afrika“ veröffentlicht.

Ludwig Fels wählte Bartholomäus Grill aus folgenden Gründen:

„Ich habe Bartholomäus Grill für den Koeppen-Preis 2006 vorgeschlagen, weil ich ihn wie keinen anderen für einen Grenzgänger in der Sprachenlandschaft Deutschlands halte, der sich mit seinem Schreiben zwischen zwei Polen bewegt: Dem Journalismus und der Literatur (wobei die Reihung nichts besagt) und die Betonung – subjektiv – auf „Literatur“ liegt. Dadurch, dass Bartholomäus Grill in seinem Buch „Ach, Afrika – Berichte aus dem Inneren eines Kontinents“ die Grenzen unserer Weltsicht und Wahrnehmung erweitert und indem er sich – bildmächtiger Autor und furioser Reporter in Personalunion – des Kontinents Afrika annimmt, leistet er einen exzellenten Beitrag für die Literatur, für den Journalismus und, vor allem, für den so genannten „schwarzen Kontinent“, wie er in solch vor nichts zurückscheuender Entdeckungs- und Erfahrungslust und kritischem Respekt vielleicht nur noch von Bartholomäus Grills polnischem Pendant Ryszard Kapuściński beschrieben worden ist. Die Probleme, die in der zeitgenössischen Literatur der BRD abgehandelt werden, sind Bartholomäus Grills Sache eher nicht; sein Thema, ein großes, reicht weiter und tiefer in etwas, das es hierzulande immer weniger gibt und das ich Menschlichkeit nennen möchte. Er bringt uns das Fremde näher, in einer Art und Weise, die unsere Verweigerung und Unwissenheit in eine „geliehene Erfahrung“ verwandelt, und das ist das schriftstellerische Verdienst von Bartholomäus Grills Werk. Nach Afrika ist Wolfgang Koeppen auf seinen Reisen nicht gekommen. Aber zu seinem 100. Geburtstag soll ihm jemand davon erzählen: Bartholomäus Grill!“  

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