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HaLT-Projekt in Greifswald
Hintergrund
Das von der Villa Schöpflin initiierte Projekt hat in der Präventionsarbeit beim Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Alkohol so gute Erfolge erzielt, dass die Bundesregierung diese Projektarbeit im gesamten Bundesgebiet etablieren möchte.
Gerade auch in Mecklenburg-Vorpommern sind alkoholkonsumierende Minderjährige ein leider alltägliches Problem. Seit dem Jahr 2000 sind die Fallzahlen von akuten Intoxikationen und Alkoholmißbrauch kontinuierlich angestiegen. 2008 wurden in unserem Bundesland 564 Kinder und Jugendliche nach einem Alkoholexzess stationär behandlungspflichtig. Das war im Vergleich zum Jahr 2000 gut ein Drittel mehr.
Das Einstiegsalter beginnt bei etwa 10 bis 12 Jahren. 75% der Betroffenen sind jünger als 16 Jahre. Häufig wird am Samstag in Gruppen getrunken und das nicht nur in der Öffentlichkeit sondern oft auch schon zu Hause. Leider werben immer noch Diskotheken mit Angeboten, wo im Eintrittspreis schon ausreichend Alkohol inbegriffen ist. Dies suggeriert einen niedrigen Kosten-aber hohen Spaßfaktor und eine niedrige Erreichbarkeitsschwelle. Getrunken wird in allen Gesellschaftsschichten. Erschreckend ist der in den letzten Jahren deutlich angestiegene Anteil der 13-bis 17jährigen Mädchen. Gerade dieser Kontext offenbart ein weiteres Gefahrenmoment, ungewollte Schwangerschaften.
Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen schädigt nachhaltig deren Entwicklung und das auch schon nach einer relativ kurzen Zeit des Mißbrauchs. Gerade in der Pubertät finden viele biologische und psychologische Umbau-und Lernprozesse statt. Ein Jugendlicher, der nur durch die enthemmende Wirkung des Alkohols ein Mädchen ansprechen kann wird dies für sich als positiven Effekt verbuchen. Wichtige Lernprozesse finden somit nicht statt. Die Entwicklung einer sozialen Kompetenz wird nachhaltig geschädigt. Darüber hinaus wissen wir heute, dass die neuronale Vernetzung im Gehirn und der Botenstoffwechel von Dopamin und Glutamat verändert werden und es zur Entwicklung eines Suchtgedächtnisses kommt.
In der Universitäts-und Hansestadt Greifswald leben etwa 60000 Einwohner. Etwa 4400 davon sind im Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Die Stadt ist durch die über 12000 Studierenden jugendlich geprägt. Es existiert eine gut ausgebaute Infrastruktur aus Gaststätten, Kneipen, Diskotheken, Jugendtreffs, Tankstellen und zahlreichen Supermärkten. Gerade am Wochenende ist das Oberzentrum Magnet für viele junge Leute aus dem Umland. Leider wird wider besseren Wissens unter Alkoholeinfluss Auto gefahren. Allein im letzten Quartal 2008 kam es zu 10 schweren Verkehrsunfällen mit 2 Toten.
Zielgruppe und Zielsetzung
Unsere Zielgruppe sind die Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren.
Das HaLT-Projekt gliedert sich in zwei Bausteine:
Innerhalb des reaktiven Moduls sollen die "auffälligen" Jugendlichen beraten, informiert und begleitet werden. Das beinhaltet auch die gute Zusammenarbeit mit den Eltern. Schamgefühle, Vorurteile und Unkenntnisse sollen abgebaut werden. Der Ansatz soll zeitlich so früh wie möglich erfolgen, möglichst schon im Krankenhaus (nach einer Alkoholvergiftung).
Innerhalb des proaktiven Moduls soll Präventivarbeit im Sinne von Aufklärung geleistet werden.
Umsetzung
Junge Menschen sind stets auf der Suche nach neuen Eindrücken und Grenzerfahrungen. Daher spielt Alkohol solch eine große Rolle.
Im reaktiven und proaktiven Modulteil wird dies aufgenommen.
Innerhalb des reaktiven Teils arbeiten die Universitätskinderklinik und die Johanna-Odebrecht-Stiftung eng zusammen.
Polizei und Rettungsdienst sind in das HaLT- Projekt fest eingebunden und sind somit ein wichtiges Bindeglied bei der Knüpfung der Kontakte zu den anderen Netzwerkpartnern. Konkret soll dies so aussehen, dass ein alkoholisierter Jugendlicher schon bei Aufnahme durch den Rettungsdienst und schließlich die Kinderklinik routinemäßig in ein Ablaufschema integriert wird.
Das Einverständnis der Sorgeberechtigten wird eingeholt. Berührungsängste und Schamgefühle der Eltern sind zwar verständlich, helfen den heranwachsenden Sprößlingen aber überhaupt nicht. Möglichst noch in der Klinik sollen die ersten Gespräche, sogenannte Brückengespräche, mit suchterfahrenen Psychologen der Johanna-Odebrecht-Stiftung stattfinden. Ergeben sich Anhaltspunkt für einen problematischen Konsum, werden weitere Gepräche angeboten.
Teil dieser Projektarbeit ist auch, Grenzerfahrungen auf eine andere Art zu vermitteln, z.B. durch den Besuch eines Kletterparks.
Innerhalb des proaktiven Moduls arbeiten Ordnungsamt, das Amt für Jugend, Soziales und Familie, das Gesundheitsamt als Koordinator, die Regionalstelle für Sucht-und Konfliktbewältigung, der Präventionsrat, der Stadtelternrat, der Kinderschutzbund, die Fachambulanz für Alkohol- und Drogenkranke, der Verein Öffnung der Schulen, die Psychiatriekoordinatorin von Greifswald und Ostvorpommern, die Berufliche Schule Greifswald und einige Honorarkräfte zusammen.
Innerhalb dieses Moduls wurden mehrere Projektgruppen gebildet.
Arbeitsziele sind die Beratung und Aufklärung von Verkaufspersonal, die Etablierung der genannten Thematik in den Unterricht der 6. und 9. Klassen durch Buchlesungen und den Besuch eines Theaterstücks, die Umsetzung eines Fotoprojekts in den 4. Klassen, die Beteiligung der Fahrschulen, z.B. soll ein Fahrparcours mit Rauschbrillen absolviert werden, und die aufsuchende Aufklärungsarbeit von Alkoholtestern mit Testgeräten zur Selbsterprobung.
Beraten wird das Netzwerk durch die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Finanziert wird das Projekt über Landesmittel. Laufzeit ist von 2009 bis 2011.
Ansprechpartner:
Herr Dipl.Psych. Sucha, Suchtberatungsstelle der Johanna-Odebrecht-Stiftung, Lange Straße 10, 17489 Greifswald
Tel.:+49 3834 892440
Herr Dr.med. Driesner, Gesundheitsamt Greifswald, Stralsunder Straße 5/6, 17489 Greifswald
Tel.:+49 03834522211




