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Ausgrabungen rund um das Heiliggeistspital vor dem Steinbecker Tor
Seit September 2024 begleiteten Archäologinnen und Archäologen die Gründungsarbeiten für einen privaten Neubau in der Stralsunder Straße/An der Bleiche. Auf dem untersuchten Gelände befand sich im Mittelalter das Heiliggeistspital, das im Jahr 1329 vor die damaligen Stadttore Greifswalds verlegt wurde. Die Grabungen brachten zahlreiche neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte hervor. Insgesamt wurden im Rahmen der archäologischen Baubegleitung, die von der Berliner Firma Melisch Archäologie durchgeführt wurde, die Gebeine von 300 Individuen geborgen. Zudem wurde festgestellt, dass der alte Spitalfriedhof nach der Schließung im Dreißigjährigen Krieg, während der Schwedenzeit (1648-1815) erneut als Bestattungsort genutzt wurde.
Passantinnen und Passanten haben in den vergangenen Monaten vielleicht die kleinen pinken Fähnchen bemerkt, mit denen die Fachleute die einzelnen Fundstellen markierten. Sie kennzeichnen die Spuren, die wichtige Rückschlüsse auf die frühere Geschichte des Areals ermöglichen.
So konnten die Forscher nachweisen, dass die heutige Stralsunder Straße bereits im 13. Jahrhundert existierte. Sie verlief damals als befestigter Damm durch das morastige Gelände und war eine wichtige nördliche Zuwegung zur Stadt. Funde von Hölzern, Bauschutt und Lehmauffüllungen belegen, wie aufwändig die Stadt diesen Weg einst ausbaute und sicherte. Die ältesten entdeckten Holzreste stammen aus dem Jahr 1256.
Auch zur Geschichte des Heiliggeistspitals brachten die Grabungen neue Erkenntnisse. Obwohl Urkunden die offizielle Verlegung des Spitals auf das Jahr 1329 datieren, deuten gefundene Holzsärge darauf hin, dass bereits um 1308 Menschen auf dem Gelände bestattet wurden. Die Gräber waren ohne Beigaben und lagen eng beieinander im torfigen Boden, teilweise in bis zu vier Schichten übereinander. Um 1368/69 wurde um den Kirchhof eine Begrenzungsmauer errichtet, die stellenweise auf Kiefernpfählen stand.
Im Heiliggeistspital wurden vor allem jüngere, kranke oder körperlich beeinträchtigte Personen versorgt, was zeigt, dass Spitäler damals multifunktionale städtische Einrichtungen waren. Sie dienten nicht nur als Armenhäuser, sondern auch als eine Art Pflege- und Versorgungseinrichtung sowie als Altersheim. Die meisten dort versorgten Bedürftigen waren Männer. Die insgesamt 224 entdeckten Gräber zeigen jedoch, dass auch Frauen und Kinder dort bestattet wurden. Die nun geborgenen Verstorbenen gehören zu den ältesten bekannten Bewohnerinnen und Bewohnern Greifswalds. Sie sollen in naher Zukunft würdevoll auf dem Neuen Friedhof beigesetzt werden.

