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Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026: „Verfolgte Künstlerinnen und Künstler“
Am 27. Januar 1945 wurden die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Etwa eine Million Menschen waren hier grausam gequält und ermordet worden, weil sie dem Bild einer auf Rassenwahn beruhenden Ideologie nicht entsprochen oder weil sie sich den Nationalsozialisten widersetzt hatten. Seit Bundespräsident Roman Herzog den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus 1996 ausrief, widmen die Universität und die Universitäts- und Hansestadt Greifswald dem 27. Januar besondere Aufmerksamkeit. Die diesjährige Veranstaltung gedenkt den verfolgten Künstlerinnen und Künstlern in der Zeit des Nationalsozialismus.
Der Nationalsozialismus betrachtete Kunst und Kultur nicht als autonom, sondern erwartete eine Unterordnung unter seine Ideologie. Dazu diente die Gleichschaltung der Kunst- und Kulturszene in der Reichskulturkammer unter dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Abgelehnt wurden die als „undeutsch“ und „entartet“ empfundenen modernen Kunst- und Kulturrichtungen. Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Werken im Widerspruch zum nationalsozialistischen Kulturverständnis standen, die politisch unerwünscht oder nicht „arischer“ Abstammung waren, wurden aus öffentlichen Ämtern entfernt, durften ihren Beruf nicht mehr ausüben, wurden teilweise zur Auswanderung gezwungen oder gewaltsam verfolgt und ermordet. An das Leiden dieser Frauen und Männer möchten wir in diesem Jahr erinnern.
Im Rahmen der Gedenkveranstaltung widmet sich Frau Dr. Meike Hoffmann den Schicksalen von Künstlern und Künstlerinnen der Avantgarde während des NS-Regimes. Herr Prof. Dr. Kilian Heck wird in seinem Vortrag auf die jüdischen Malerinnen des Hiddenseer Künstlerinnenbundes eingehen.
Das musikalische Rahmenprogramm wird von der Musikschule Greifswald gestaltet.
Weitere Informationen finden Sie unter www.uni-greifswald.de/gedenktag
Weitere Veranstaltungen zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
26.01.2026 │ 15:00 Uhr │ Rathaus
Sichtbar machen: Jüdisches Leben in Greifswald
Vorstellung der Stolpersteine-App der Landeszentrale für politische Bildung und des Greifswalder Antisemitismusprojekts „erinnern und leben“.
Die interaktive Karte erfasst erstmals auch Greifswalder NS-Opfer und bietet digitale Zugänge zu deren Biografien, Bildern und historischen Hintergründen. Im Anschluss berichtet Magdalene Kunert über das Projekt „erinnern und leben“. Sie präsentiert ausgewählte Materialien und Filme von der neuen Webseite (https://erinnern-und-leben.de), die das Judentum und den jüdischen Friedhof in Greifswald näher beleuchten. Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder eröffnet die Veranstaltung.
26.01.2026 │ 20:00 Uhr │ STRAZE
Film „Treasure - Familie ist ein fremdes Land“ (D, 2024)
Der Film erzählt von einer bewegenden Vater-Tochter-Reise nach Polen. Es ist die Spurensuche nach der jüdischen Vergangenheit einer Familie, die, bis auf den Vater, ermordet wurde.
Spielfilm, Deutschland/Frankreich 2024, Regie: Julia von Heinz, es spielen u.a. Stephen Fry, Lena Dunham, Zbigniew Zamachowski, 112 Minuten, OmdtU
29.01.2026 │ 19:30 Uhr │ Koeppenhaus
„Antisemitismus in der Klimabewegung“
In seinem Vortrag spricht der deutsch-britische Journalist Nicholas Potter u.a. über die Klimabewegung „Extinction Rebellion“, deren Mitbegründer in großen Zeitungen die Shoah relativiert haben. Auch in der Klimabewegung gibt es immer wieder antisemitische Vorfälle. Gleichzeitig werden Antisemitismus-Vorwürfe vom rechten Rand instrumentalisiert, um die Klimabewegung als Ganzes zu diskreditieren. Dennoch gibt es auch Stimmen in der Klimabewegung, die sich konsequent und glaubhaft gegen jeden Antisemitismus positionieren.
02.02.2026 │ 20:00 Uhr │ STRAZE
„Botschafter des Erinnerns“
Gezeigt wird der ca. 70-minütige Dokumentarfilm über Stanisław Zalewski. Anschließend findet ein Nachgespräch mit der Regisseurin Magdalena Żelasko statt. Stanisław Zalewski ist KZ-Überlebender und Zeitzeuge, Vorsitzender der Vereinigung ehemaliger politischer Häftlinge der NS-Gefängnisse und Konzentrationslager und gehört dem Internationalen Auschwitz-Komitee an.

