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Greifswald ist Fahrradhauptstadt Deutschlands
Greifswald hat bundesweit den höchsten Anteil an Fahrradfahrern. Das geht aus einer repräsentativen Erhebung zur Verkehrsmittelwahl hervor, die das Steinbeis-Transferzentrum am Geografischen Institut der Universität Greifswald im Auftrag der Stadt durchgeführt hat. Demnach nutzen 44 Prozent der Bevölkerung das Fahrrad für ihre Alltagswege. Bislang galt Münster als Fahrradhauptstadt Deutschlands, dort beträgt der Anteil der Radfahrer 38 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 10 Prozent.
Eine Ursache für den hohen Radverkehrsanteil liegt sicherlich in der Struktur der Stadt begründet. Die Formulierung „Stadt der kurzen Wege“ stimmt nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ist durchaus wörtlich zu nehmen. So hat das Stadtgebiet, in dem 95 Prozent der Bevölkerung leben, nur einen Durchmesser von 6 Kilometern.
Die Befragung hat ergeben, dass Wege, die die Greifswalder innerhalb der Stadt zurücklegen, im Durchschnitt nur zwei Kilometer lang waren. Für mehr als die Hälfte der Wege wurde nicht einmal eine Viertelstunde benötigt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit für den Radverkehr lag bei 10 km/h, die des Autoverkehrs bei 17 km/h. Dem Ergebnis zufolge waren in dem untersuchten Zeitraum neben den Radfahrern, 24 Prozent der Befragten mit einem Auto oder Motorrad unterwegs, 9 Prozent waren Mitfahrer in einem Auto, 21 Prozent gingen zu Fuß und nur 2 Prozent nutzten den Öffentlichen Verkehr.
Der hohe Anteil an Radfahrern ist auch dem Umstand zu verdanken, dass Greifswald eine Universitätsstadt mit 12.200 Studenten ist. Nach einer bundesweiten Studierendenbefragung des Centrums für Hochschulentwicklung in Gütersloh (veröffentlicht 2007) ist hier an der Ostsee der Anteil der Studenten, die das Rad nutzen, am größten.
Die Daten werden auch durch eine Radverkehrszählung von 2008 untermauert, wonach an einer Zufahrt zur Innenstadt ein Spitzenwert von täglich 12.600 Radfahrern gezählt wurde.
Der hohe Radverkehrsanteil führt allerdings auch dazu, das Greifswald bundesweit die meisten Radverkehrsunfälle je 1.000 Einwohner hat, gefolgt von Münster. Was allerdings nicht bedeutet, dass auch das Unfallrisiko größer ist als in Städten mit wenig Radverkehr. Zudem ist die Universitäts- und Hansestadt in Mecklenburg-Vorpommern eine Hochburg des Fahrraddiebstahls. Dies ist eine Bürde, die sie sich ebenfalls mit anderen Universitätsstädten teilt.
Für die Erhebung waren insgesamt 2.500 Befragungsbögen an Greifswalder Haushalte verschickt worden, die zuvor beliebig über das Melderegister ausgewählt worden waren. Insgesamt sechs verschiedene Stichtage wurden ausgewählt, der 12. bis 14. Mai sowie der 26. bis 28. Mai. 1036 Personen aus 505 Haushalten schickten die Unterlagen ausgefüllt zurück, das ist eine vergleichsweise gute Rücklaufquote von knapp 22 Prozent. Die Befragung orientierte sich an dem System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) der TU Dresden, die inzwischen bundesweit Standard ist.
Die Daten zur Verkehrsmittelwahl fließen in ein vom Bund gefördertes Klimaschutzkonzept für Greifswald ein, das bis Frühjahr kommenden Jahres vorliegen soll. Außerdem sind sie die Basis für den Greifswalder Radverkehrsplan, der demnächst öffentlich vorgestellt wird. Die Ergebnisse bilden nicht nur eine fundierte Datengrundlage, sondern sind auch Handlungsempfehlung für die Stadt, die Infrastruktur für den Radverkehr zu verbessern. Denn Greifswald ist zwar bezüglich der Fahrradnutzung Spitzenreiter, aber (noch) nicht bezüglich seiner Infrastruktur für Radfahrer.
Kontakt:
Dr. Ruth Bördlein
Steinbeis Transferzentrum Freizeit-, Regional- und Tourismusforschung
Institut für Geografie und Geologie der Universität Greifswald
E-Mail: ruth.boerdlein(at)uni-greifswald.de
Tel: 03834/864540
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Untersuchung_Verkehrsmittelwahl.pdf Detaillierte Auswertung der Ergebnisse zur Verkehrsmittelwahl |
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Ergebnisse der Befragung zur Verkehrsmittelwahl im Mai 2009 |




