2 Türme eines Kernkraftwerkes
Kernkraftwerk © pixabay

Unfall in einem KKW mit Freisetzung radioaktiver Stoffe - Jodverteilung

Deutschland betreibt seit 2023 keine aktiven Kernkraftwerke (KKW) mehr. Dennoch können Ereignisse in Kernkraftwerken unserer europäischen Nachbarländer Auswirkungen auf Deutschland haben. Bei einem schweren Störfall kann es – abhängig von Wetterlage und Windrichtung – zur Freisetzung radioaktiver Stoffe kommen, darunter auch radioaktives Jod. Dieses kann in seltenen Fällen über größere Entfernungen transportiert werden und Regionen wie Greifswald erreichen.

Ziel ist es, verständlich und ohne unnötige Beunruhigung zu erklären, wie die Jodtablettenverteilung organisiert ist, wo Sie die Jodausgabestellen im Krisenfall finden und wo Sie sich weiterführend informieren können. 

Eine wichtige Schutzmaßnahme in einem solchen Fall ist die sogenannte Jodblockade. Dabei wird nicht-radioaktives Jod in Form von Jodtabletten eingenommen. Es sättigt die Schilddrüse mit stabilem Jod, sodass radioaktives Jod kaum noch aufgenommen wird. Die Jodblockade wirkt nur vorbeugend und wird ausschließlich auf behördliche Empfehlung durchgeführt. Zudem richtet sich die Einnahme nur an einen klar definierten, empfangsberechtigten Personenkreis, für den die Maßnahme medizinisch sinnvoll und vorgesehen ist.

 

Ausgabe von Kaliumiodid "Lannacher" 65 mg-Tabletten: 

< 100 km um Kernkraftwerke: an Personen bis 45 Jahre

für Greifswald gilt > 100 km um Kernkraftwerke: an Schwangere, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren

Medikation:

freiwillig, aber keine Selbstmedikation! Falscher Zeitpunkt = keine Wirkung

 

Vorbereitung auf den Krisenfall

Was Sie tun können

Ein Unfall in einem Kernkraftwerk ist sehr selten. Trotzdem ist es sinnvoll, vorbereitet zu sein. Dazu gehört auch, sich frühzeitig mit den offiziellen Informationen auseinanderzusetzen. In Vorbereitung auf solche Krisenfälle hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz hier nützliche Hinweise veröffentlicht.

Jodtabletten sind nur für einen bestimmten Personenkreis vorgesehen: In einem Abstand von mehr als 100 km zum Kernkraftwerk werden sie ausschließlich an Schwangere, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ausgegeben. Der richtige Einnahmezeitpunkt ist entscheidend und erfolgt nur auf behördliche Anweisung. Wichtig ist, ausschließlich die von den Behörden ausgegebenen Tabletten zu verwenden – andere Präparate haben keinen Schutzwert.

Möchten Sie selbst Jodtabletten bevorraten, können Sie diese rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Achtung: Verwechseln Sie diese nicht mit verschreibungspflichtigen Tabletten zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen. Diese sind deutlich niedriger dosiert und bieten im Krisenfall keinen Nutzen. Eine eigene Bevorratung ist nur dann sinnvoll, wenn es sich um Tabletten mit identischem Hersteller und gleicher Dosierung wie die behördlich ausgegebenen Präparate handelt (Kaliumiodid "Lannacher" 65 mg-Tabletten).

 

Was die Stadt unternimmt

Auch bei einer Freisetzung radioaktiver Stoffe müssen grundlegende Angebote der Daseinsfürsorge – wie Hilfe und Versorgung im Gefahrenfall – gesichert bleiben. Sobald ein definierter Krisenfall eintritt, richtet die Stadt deshalb Jod‑Ausgabestellen ein. Dafür wird das Stadtgebiet in mehrere Verteilungsbereiche nach Stadtteilen aufgeteilt. So können die berechtigten Personen ihre Jodtabletten möglichst wohnortnah abholen, ohne dass einzelne Anlaufstellen überlastet werden.

Die Ausgabe der Tabletten muss in einem klar begrenzten Zeitfenster erfolgen. Der Grund: Jodtabletten wirken nur, wenn sie rechtzeitig vor dem Eintreffen einer radioaktiven Wolke eingenommen werden. Deshalb ist eine schnelle, geordnete Verteilung besonders wichtig.

Maßnahmen im Krisenfall

Was Sie tun können

Damit Sie in einer außergewöhnlichen Lage nicht den Überblick verlieren, haben wir die wichtigsten Hinweise für Sie zusammengestellt: 

  • Die öffentlichen Stellen werden über verschiedene Warnsysteme über die Situation und das erforderliche Verhalten informieren. Verfolgen und befolgen Sie diese Hinweise.

  • Empfangsberechtigte Personen sollten die Jod-Ausgabestellen aufsuchen, um ihre Tabletten zu erhalten. Kinder müssen NICHT selbst zur Ausgabestelle kommen. Eine erwachsene Vertretungsperson kann die Tabletten stellvertretend abholen. Wichtig ist nur, dass die Vertretungsperson die Anzahl und das Alter der Kinder angeben kann.

  • Die Jodtabletten sollte NUR auf ausdrückliche Aufforderung durch die Katastrophenschutzbehörden zum angegebenen Zeitpunkt eingenommen werden (sonst keine Wirkung!).

  • Bleiben Sie möglichst im Haus. Gehen Sie NUR ins Freie, wenn dies unbedingt notwendig ist. Achten Sie darauf, dass Türen und Fenster geschlossen und Lüftungsanlagen ausgeschaltet sind.

  • Tragen Sie KEINE radioaktiv-belastete Kleidung. Nach dem Aufenthalt im Freien legen Sie Ihre Bekleidung ab und verstauen diese in Plastikbeuteln - besser: Aufbewahrung außerhalb des Gebäudes.

  • Waschen Sie sich gründlich nach einem Aufenthalt im Freien (Hände, Kopf und unbedeckte Körperstellen).

  • Ernten und essen Sie KEIN Obst und Gemüse aus dem Garten.
Jodausgabestellen

Im Krisenfall und vor Durchzug der radioaktiven Wolke, richtet die Stadt sechs Jod-Ausgabestellen ein. Eine Jod‑Ausgabestelle hat die Aufgabe, im Krisenfall eine schnelle, geordnete und sichere Versorgung der berechtigten Personen mit Jodtabletten sicherzustellen.  

  • Sporthalle Käthe-Kollwitz-Schule, Knopfstraße 25-26
  • Technisches Hilfswerk (THW), Loitzer Landstraße 12
  • Sporthalle Caspar-David-Friedrich-Schule, Usedomer Weg 3
  • IGS Erwin-Fischer Schule, Einsteinstraße 6
  • Sporthalle der Ernst-Moritz-Arndt Schule, Arndtstraße 36
  • Kita „Inselkrabben“ Riems, Hauptstraße 1
Übersichtskarte Greifswald

statische Übersichtskarte zu den Jodausgabestellen

Im Krisenfall wird eine separate Einsatzkarte bereitgestellt (siehe Besondere Einsatzlagen).