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Greifswald will Gedächtnisort für friedliche Revolution in MV 1989 werden

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die frühere Kreisdienststelle des MfS ist jetzt Sitz des Oberverwaltungsgerichts und des Landesverfassungsgerichts, Foto: Pressestelle

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald hat sich als Gedächtnisort für die friedliche Revolution in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst 1989 ins Gespräch gebracht. In einem Brief an die Staatskanzlei schrieb Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder, Greifswald erfülle die Voraussetzungen für den von der Regierung geplanten Gedächtnisort. Der Oberbürgermeister reagiert damit auf einen Mitte Mai verabschiedeten Beschluss aller vier Fraktionen im Landtag von MV, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, bis zum 30. Jahrestag des Mauerfalls einen solchen Ort zu etablieren. Spätestens im Herbst 2019 solle das Denkmal oder Museum fertig sein.

In seinem Brief betonte der Oberbürgermeister: „Verglichen mit den Verhältnissen und Ereignissen in den Nordbezirken der DDR hatte sich in Greifswald bereits recht früh ein Protestpotential gebildet: Dazu zählen das Protestschreiben einer Schicht des Kernkraftwerks „Bruno Leuschner“ in Lubmin an den Staatsrat vom Oktober 1988 oder die Vorgänge um die Domeinweihung vom Juni 1989. Als eine der ersten in der DDR gründete sich am 16. Oktober 1989 die Greifswalder SPD. Am 18. Oktober wurde das erste Friedensgebet im Greifswalder Dom durchgeführt. Die sich daran anschließende erste Demonstration markierte für Greifswald den Übergang zu nunmehr aktiven, für jedermann sichtbaren Formen des Protestes. Die Mensagespräche, Veranstaltungen des Neuen Forums und anderer oppositioneller Gruppen waren Foren für die kritische Auseinandersetzung mit dem bestehenden politischen System und der Gestaltung der Zukunft. Vor allem aber übernahm Greifswald bei der Entmachtung der Staatssicherheit eine Pionierrolle. Am 4. Dezember 1989 wurden sowohl die SED-Kreisleitung als auch die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) besetzt.“

Nach Meinung von Dr. Fassbinder biete sich daher der ehemalige Sitz der Kreisdienststelle des MfS in der Domstraße 7 als Gedenkort an. Die Symbolkraft dieses Ortes werde noch dadurch unterstrichen, dass heute in genau diesem Gebäude von einer unabhängigen Justiz Recht gesprochen und über die Verfassung gewacht werde. Zudem seien insbesondere die Greifswalder Universität und das Pommersche Landesmuseum, dessen zeitgeschichtliche Ausstellung demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt werden, gute Kooperationspartner für einen solchen Gedächtnisort.