Immaterielles Kulturerbe

173 Kulturformen sind aktuell deutschlandweit in das Bundesregister eingetragen, weltweit sind es 716 kulturelle Ausdruckformen aus 152 Ländern. Mit Kulturformen werden „Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten – sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume […], die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen“ bezeichnet. Einige Kulturformen haben einen begrenzten räumlichen Rahmen, andere beziehen sich auf ganz Deutschland. Für Greifswald und seine Umgebung spielen die folgenden kulturellen Ausdrucksformen eine Rolle, werden hier gepflegt oder über Veranstaltungen auch weitervermittelt.

Gestaltung und traditionell handwerkliche Fertigung der Vorpommerschen Fischerteppiche

Fischerteppiche - geknüpft von Gisela Zeidler
Fischerteppiche - geknüpft von Gisela Zeidler© Susanne Papenfuß
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Bei der Gestaltung und traditionell handwerklichen Fertigung der Vorpommerschen Fischerteppiche handelt es sich um eine mündlich überlieferte, seit etwa 100 Jahren bestehende Tradition an der Küste des Greifswalder Boddens. Anfänglich als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ins Leben gerufen, hat sich eine Tradition entwickelt, die noch heute für viele Menschen in der Region identitätsstiftend ist. Greifswald spielt in der Geschichte der Vorpommersche Fischerteppiche hinsichtlich der Organisation des Handwerks, des Verkaufs und der Werbung sowie der Vermittlung eine wichtige Rolle. Rudolf Stundl, der die Gestaltung der Teppiche von Anfang an prägte, lebte und arbeitete mit seiner Frau, der Weberin Frida Stundl-Pietschmann, im Haus von deren Familie in der Gützkower Straße 84.

Idee und Praxis der Kunstvereine

Der Kunstkubus des art-cube e. V.
Der Kunstkubus des art-cube e. V.© Marcus Schramm
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Kunstvereine ermöglichen kulturelle Teilhabe durch die Präsentation und Vermittlung von Kunst, fördern und vernetzen die lokalen Szenen. Sie richten oft die ersten Ausstellungen junger Kunstschaffender aus und unterstützten sie bei der Produktion neuer Kunstwerke, indem sie ihnen Wissen und Können vermitteln. So tragen die Vereine zur Vielfalt der Kunstlandschaft bei. Seit 2021 ist die kulturelle Ausdrucksform im Bundesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen. In Greifswald sind vier Kunstvereine aktiv und wirksam. Dazu gehören der art-cube e. V., art SIEBEN e.,  V., Pommernhus - Helmut-Maletzke-Stiftung und der Pommerscher Künstlerbund e. V.

Künstlerische Drucktechnik des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen

Die Greifswalder Kunstwerkstätten zum Tag der Druckkunst 2024
Die Greifswalder Kunstwerkstätten zum Tag der Druckkunst 2024© Kunstwerkstätten
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Gedruckte Text- und Bildmedien sind seit mehr als 500 Jahren Teil der europäischen Kultur und Wissensgesellschaft. In Deutschland stehen Johannes Gutenberg und Albrecht Dürer stellvertretend für die Anfänge dieser Innovation. Traditionelle künstlerische Drucktechniken werden in Deutschland und Europa heute vor allem von bildenden Künstlerinnen und Künstlern gepflegt und weiterentwickelt, und von Museen für Drucktechnik und Druckkunst speziell an Kinder, Jugendliche und Studierende vermittelt.

Deutschlandweit hat sich der „Tag der Druckkunst“ am 15. März etabliert, an welchem in verschiedenen Formaten Druckkunst ausgestellt und vermittelt wird. In Greifswald begehen wir diesen Tag jedes Jahr mit verschieden Veranstaltungen.

Sail Training auf Traditionsschiffen

Segelschulschiff GREIF in der Volkswerft Stralsund
Segelschulschiff GREIF in der Volkswerft Stralsund© André Gschweng
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Das Sail Training bedeutet aktives Segeln auf Traditionsseglern als Teil der Besatzung bei dem das Können und Wissen vom Segeln, der Navigation, der Schiffserhalt und Schiffsbetrieb von einer Stammcrew mit jungen Menschen geübt und weitergeben wird. Seit 2023 ist diese Kulturform Immaterielles Kulturerbe auf Bundesebene. Das Segelschulschiff „Greif“ ist eines dieser Traditionssegler, auf welchen ein Sail Training möglich ist.

Traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostsee und in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns

Traditionelle Fischerboote in Wieck
Traditionelle Fischerboote in Wieck© André Gschweng
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Die Traditionelle Kleine Küstenfischerei umfasst die handwerkliche Fischerei mit kleinen Booten in den küstennahen Gewässern der Ostsee und den Bodden Mecklenburg‑Vorpommerns. Sie wird von Einzelpersonen oder kleinen Besatzungen ausgeübt und orientiert sich an regionalen und jahreszeitlichen Fischvorkommen. Zum Einsatz kommen überwiegend ortsfeste, selektive Fanggeräte wie Stellnetze, Reusen oder Langleinen. Die Ausübung erfordert ein umfangreiches, vor allem mündlich überliefertes Wissen über Fischarten, Fangplätze, Wetter, Gewässer und handwerkliche Techniken.

Diese Kulturform wurde 2026 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. In Greifswald gibt es noch zwei Fischer, die Fischerei in dieser Form betreiben.