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28.03.2018 – Christoph Peters erhält den Wolfgang-Koeppen-Preis für Literatur 2018

Der Wolfgang-Koeppen-Preis 2018 für Literatur der Universitäts- und Hansestadt Greifswald wird in diesem Jahr dem Schriftsteller Christoph Peters verliehen. Vorgeschlagen wurde er von Thomas Hettche, welchem der Preis 2016 zugesprochen worden ist. Die festliche Preisverleihung findet am 23. Juni 2018, dem Geburtstag Wolfgang Koeppens, um 16.00 Uhr im Geburtshaus des Schriftstellers und Greifswalder Ehrenbürgers, im Literaturzentrum Vorpommern, Bahnhofstraße 4 - 5, statt. Der Oberbürgermeister der Universitäts-  und Hansestadt Greifswald, Dr. Stefan Fassbinder, wird den Preis überreichen. Die Laudatio hält der Preisträger des Jahres 2016 Thomas Hettche.

Thomas Hettche begründet seinen Vorschlag wie folgt:

„ … Wie wenige andere arbeitet der 1966 geborene Peters seit seinem fulminanten Debüt „Stadt Land Fluß“ von 1999 an einem erzählerischen Werk, das sich einerseits ganz auf die soziale Wirklichkeit deutscher Gegenwart einlässt, andererseits Erfahrungen von Fremdheit im Zusammentreffen der Kulturen immer neu gestaltet. Ob die Welt der japanischen Keramik in "Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ (2014) oder die Bedrohung durch den Terrorismus in "Ein Zimmer im Haus des Krieges“ (2006) - immer eröffnet die erzählerische Genauigkeit von Christoph Peters der Faszination des Fremden ebenso wie unserer Angst vor ihm einen Raum. Das macht seine Romane zu hochaktuellen Kommentaren unserer gegenwärtigen Debatten. Mit Koeppen teilt er dabei vielerlei: Die Unvoreingenommenheit des Blickes auf die Menschen, die tiefe Sehnsucht nach der einen Ferne, die mehr als Phantasie ist, sondern bereist sein will, und dabei das Wissen um den konkreten Ort, von dem aus man schreibt. … Doch die Gemeinsamkeiten gehen tiefer. Beide, Koeppen wie Peters, scheint mir, sind Flußmenschen, der Ryck, der in Greifswald in die Ostsee mündet, und der Rhein die Flüsse ihrer Herkunft. Ich bin überzeugt, daß die Sehnsucht, die sich mit Flüssen verbindet, eine dezidiert andere ist als jene, die sich auf einen fernen Gipfel oder selbst auf das Meer richtet.“ 

Christoph Peters bedankte sich für die Ehrung bei Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder mit den Worten:

„Wolfgang Koeppen ist für mich in der Zeit, als ich selber Schriftsteller werden wollte und schließlich einer geworden bin - zwischen 17 und 30 –, ein großes Vorbild gewesen. Vor allem seine einzigartige Sprachkraft hat mich damals begeistert – dem wollte ich nacheifern –, und seine Krisen haben mich getröstet, wenn ich selbst nicht mehr weiterwusste. Insofern bin auch sehr stolz seinen Namen künftig sozusagen in meinem eigenen Lebenslauf zu haben.“ 

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald verleiht seit 1998 den mit 5.000 Euro dotierten Wolfgang-Koeppen-Preis alle 2 Jahre/ biennal. Mit ihm wird ein literarisches Wirken gewürdigt, das in ähnlicher Weise wie das Werk Wolfgang Koeppens dem unvollendeten Projekt der literarischen Moderne verbunden, seiner Zeitgenossenschaft eingedenk bleibt und nicht zuletzt in seiner sozialen Sensibilität dem Werk Koeppens vergleichbar ist. Der jeweils letzte Preisträger schlägt immer den neuen vor. Bisherige Preisträger waren Richard Anders (1998), Thomas Lehr (2000), Susanne Riedel (2002), Ludwig Fels (2004), Bartholomäus Grill (2006), Sibylle Berg (2008), Joachim Lottmann (2010), Anna Katharina Hahn (2012), Karl-Heinz Ott (2014) und Thomas Hettche (2016).

Zur Person des Preisträgers Christoph Peters 

Christoph Peters wurde am 11. Oktober 1966 in Kalkar geboren. Als Schüler besuchte er das bischöfliche Internatsgymnasiums Collegium Augustinianum Gaesdonck. Dort war er unter anderem Schüler des Künstlers, Dichters und Sammlers Franz Joseph van der Grinten. 1986 machte er sein Abitur und in den zwei folgenden Jahren leistete er Zivildienst in der Katholischen Hochschulgemeinde Mainz. Von 1988 bis 1994 studierte er freie Malerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe bei Horst Egon Kalinowski und Günter Neusel, zuletzt war er Meisterschüler von Meuser. In den Jahren 1992 und 1993 besuchte er erstmals Istanbul und Kairo und hat seither immer wieder ausgedehnte Reisen in die islamische Welt unternommen. In den Jahren 1995 bis zur Jahrtausendwende arbeitete er als Fluggastkontrolleur am Flughafen Frankfurt am Main. Seit 2000 lebt er in Berlin. Ihm wurden zahlreiche Auszeichnungen zuteil, unter anderem wurde er mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. 2004 erhielt er eine Poetik Dozentur an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 2006 arbeitete er als Museumsschreiber des Hetjens-Museums / Deutsches Keramik Museum in Düsseldorf. 2008 war er gemeinsam mit dem indischen Schriftsteller Kiran Nagarkar Dozent der 22. Tübinger Poetik-Dozentur. „Mitsukos Restaurant“ (2009) wurde mit dem Rheingau Literaturpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus ist Peters Mitglied des PEN Zentrums Deutschland („Poets, Essayists, Novelists“ – Dichter, Essayisten und Romanautoren). Derzeit werden seine Werke im Luchterhand Literaturverlag veröffentlicht.

Würdigungen

  • 1998 Martha-Saalfeld-Förderpreis
  • 1999 Aspekte-Literaturpreis
  • 1999 Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld
  • 2000 Georg-K.-Glaser-Preis
  • 2001 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Literatur
  • 2004 Düsseldorfer Literaturpreis
  • 2004 The annual best foreign novels, 21st Century Award, Best German novel of 2003, issued by People's Literature Publishing House, Foreign Literature Learned Society, German Literature Study Society, China für Das Tuch aus Nacht
  • 2004 Poetik Dozentur der Akademie der Wissenschaften und der Literatur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • 2005 Wortspiele: Jurypreis des Bayerischen Rundfunks
  • 2006 Museumsschreiber des Hetjens-Museums / Deutsches Keramik Museum in Düsseldorf
  • 2008 Tübinger Poetik-Dozentur gemeinsam mit Kiran Nagarkar
  • 2009 Rheingau-Literaturpreis, Mitsukos Restaurant
  • 2011 Comburg-Literaturstipendium Schwäbisch Hall
  • 2012 Wahl von Wir in Kahlenbeck in die Longlist für den Deutschen Buchpreis
  • 2014 Museumsschreiber Museum Kurhaus Kleve - Ewald Mataré Sammlung
  • 2014 Poetik Dozentur der Universität Paderborn.
  • 2015 Stipendiat der Kulturakademie Tarabya, Istanbul.
  • 2016 Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg.
  • 2017 Thomas Kling-Poetik Dozentur der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Werke

  • Heinrich Grewents Arbeit und Liebe. Erzählung. Dreieck-Verlag, Mainz 1996,
  • Stadt Land Fluß. Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1999,
  • Kommen und gehen, manchmal bleiben. 14 Geschichten. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2001,
  • Das Tuch aus Nacht. Roman. btb, München 2003. Engl.: The fabric of night, Nan A. Talese -  Doubleday, New York 2007
  • Heinrich Grewents Arbeit und Liebe. Erzählung. Überarbeitete Neuausgabe. btb, München 2004,
  • Ein Zimmer im Haus des Krieges. Roman. btb, München 2006,
  • Museumsschreiber 1. Hetjens Museum. Im Besitz des Schönen. Essay. Verlag XIM Virgenes, Düsseldorf 2007,
  • Mitsukos Restaurant. Roman. Luchterhand, München 2009
  • Traumbilder des Schreibens. Tübinger Poetik-Dozentur 2008 (zusammen mit Kiran Nagarkar), Hrsg. Dorothee Kimmich und Philipp Ostrowicz. Swiridoff, Künzelsau 2009.
  • Minga verzaubert die Welt. Kinderbuch mit Bildern von Matthias Beckmann, Luchterhand 2009,
  • Japan beginnt an der Ostsee -  Die Keramik des Jan Kollwitz. Mit Photos von Götz Wrage. Wachholtz 2010,
  • Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung. Geschichten. Luchterhand, München 2010
  • Die Katze winkt dem Zöllner. Essay. SuKuLTuR, Berlin 2010 (= „Schöner Lesen“ Nr. 101),
  • Wir in Kahlenbeck. Roman. Luchterhand, München 2012,.
  • Einschreiben Aufzeichnen. mit Zeichnungen von Matthias Beckmann.Matthes & Seitz, Berlin 2013
  • Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln. Roman. Luchterhand, München 2014
  • Museumsschreiber NRW 6, Museum Kurhaus Kleve - Ewald Mataré Sammlung.Essay. Verlag XIM Virgenes, Düsseldorf 2014,
  • Der Arm des Kraken. Roman. Luchterhand, München 2015,
  • Die lieben Lande. Gedichte. Mit Siebdrucken von Matthias Beckmann. edition wasser im turm, Berlin 2015.
  • Diese wunderbare Bitterkeit -  Leben mit Tee, mit Zeichnungen von Matthias Beckmann. Arche, Zürich - Hamburg 2016 Selfie mit Sheikh. Erzählungen. Luchterhand, München 2017