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Ein Ofen aus dem Mittelalter erzählt Greifswalds Baugeschichte

15.10.2026
Archäologen an der Ausgrabungsstelle in der Straße An den Wurthen© André Gschweng

Bei Bauarbeiten in der Straße „An den Wurthen“ wurde Mitte August ein großer mittelalterlicher Ziegelbrennofen entdeckt. Nach Einschätzung der Archäologen ist der Fund von besonderer Bedeutung für die Geschichte Greifswalds und die mittelalterliche Ziegelproduktion in der Region.

Ofen könnte Baumaterial für die Marienkirche geliefert haben

Nach ersten Schätzungen stammt der Ofen vermutlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert und könnte bis ins 18. Jahrhundert genutzt worden sein. Wie Grabungsleiterin Janin Zorn von der AIM-V Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern GmbH erklärt, belegen mehrere Ascheschichten und unterschiedlich stark beschädigte Ziegel, dass der Ofen immer wieder erneuert worden ist. „Bislang konnten mindestens sechs Brennböden nachgewiesen werden. Möglicherweise wurden an dieser Stelle Backsteine für die Greifswalder Marienkirche und weitere Gebäude der Altstadt hergestellt.“, so Janin Zorn. „Die Größe des Ofens ist besonders bemerkenswert. Solche Anlagen sind in unserer Region selten. Der Fund ist deshalb auch über Greifswald hinaus von Bedeutung.“

Auch Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder zeigt sich überrascht: „Mit einem solchen Fund haben wir an dieser Stelle nicht gerechnet. Für die Greifswalder Stadtgeschichte ist das ein spannender Baustein. Er gibt uns neue Einblicke in die Ziegelproduktion vor den damaligen Toren der Stadt.“

Dass sich in der Nähe eine Ziegelei befand, war bereits bekannt. Unter dem heutigen Alten Friedhof gab es große Lehmgruben, aus denen das Material für die Ziegelherstellung gewonnen wurde. Der jetzt entdeckte Ofen liefert erstmals den archäologischen Nachweis für den dazugehörigen Brennplatz.

Der Brennofen wird nun vollständig freigelegt und dokumentiert. Allerdings verzögert sich dadurch leider auch weiter der Straßenausbau. Die ursprünglich für Dezember 2026 geplante Fertigstellung der Straße „An den Wurthen“ verschiebt sich voraussichtlich bis ins dritte Quartal 2027.