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11.05.2020 – Marcus Braun erhält 2020 den Wolfgang-Koeppen-Preis für Literatur der Universitäts- und Hansestadt Greifswald

Greifswalder Koeppen-Preisträger 2020
Marcus Braun, Koeppen-Preisträger 2020 (c) Rabea Edel

Der Wolfgang-Koeppen-Preis für Literatur der Universitäts- und Hansestadt Greifswald wird in diesem Jahr 2020 dem Schriftsteller Marcus Braun verliehen. Vorgeschlagen wurde er von dem Preisträger des Jahres 2018 Christoph Peters. Die Feierliche Preisverleihung durch Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder wurde auf den 23.06.2021 vertagt. Ebenso finden die Wolfgang-Koeppen-Literaturtage erst im kommenden Jahr statt.

Christoph Peters begründet seinen Vorschlag mit den Worten:
„… der 1971 an der Mosel geborene Marcus Braun“ nimmt „in der deutschen Literatur eine Sonderstellung ein: In ihrer Sprachbesessenheit, den kühnen Schnitten bei weitgehendem Verzicht auf die Gewissheiten traditioneller Erzählstrukturen sind seine Romane und Theaterstücke von Beginn an den experimentellen Ansätzen der klassischen Moderne verpflichtet, wie sie Wolfgang Koeppen mit seiner `Trilogie des Scheiterns` in die Deutsche Nachkriegsliteratur eingeführt hat.
Unbeirrt von Moden und Zeitgeist, umkreist er noch einmal die großen Menschheitsthemen: schwärmerische Liebe und erotische Obsession, Grenzerfahrung und Grenzüberschreitung, den Weg in die Fremde, den Tod. … Goester in ‚Delhi‘, Leon in ‚Hochzeitsvorbereitungen‘ und Jonathan in ‚Der letzte Buddha‘ taumeln durch ihre Romane, ohne zu wissen, wie ihnen geschieht, geschweige denn, was sie daran ändern könnten. Auch darin sind sie Nachfahren des verlorenen Personals aus ‚Tauben im Gras‘ und Felix Keetenheuves in ‚Das Treibhaus‘.…. Doch trotz aller Dunkelheit ist es ein ungeheures Vergnügen Marcus Braun zu lesen. Seine Sprache in ihrer lakonisch präzisen, dabei immer poetischen Kraft lässt uns glauben, dass die einzige Rettung aus der Absurdität der menschlichen Verhältnisse im geglückten Satz liegt. … Mit seinem Humor, lässt er uns sicher über den Abgrund balancieren, obwohl dort vielleicht gar kein Seil mehr gespannt ist.“

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald verleiht den mit 5.000 Euro dotierten Wolfgang-Koeppen-Preis seit 1998 alle 2 Jahre. Mit ihm wird ein literarisches Wirken gewürdigt, das in ähnlicher Weise wie das Werk Wolfgang Koeppens in seiner Zeitgenossenschaft dem unvollendeten Projekt der literarischen Moderne verbunden bleibt und in seiner sozialen Sensibilität dem Werk Koeppens vergleichbar ist.

Der jeweils letzte Preisträger schlägt den neuen vor. Bisherige Preisträger waren †Richard Anders (1998), Thomas Lehr (2000), Susanne Riedel (2002), Ludwig Fels (2004), Bartholomäus Grill (2006), Sibylle Berg (2008), Joachim Lottmann (2010), Anna Katharina Hahn (2012), Karl-Heinz Ott (2014), Thomas Hettche (2016) und Christoph Peters ( 2018).

Wegen der Corona Pandemie findet die festliche Preisverleihung jedoch nicht im Jahr 2020 statt, sondern wird um ein Jahr auf den 23. Juni 2021 verschoben. Die parallel zur Preisverleihung stattfindenden „Wolfgang-Koeppen-Literaturtage“, welche immer um den Geburtstag Wolfgang Koeppens am 23. Juni stattfinden, werden gleichermaßen um ein Jahr in den Juni 2021 verschoben. Im kommenden Jahr wird Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder dann anlässlich des 115. Geburtstages Wolfgang Koeppens am 23. Juni 2021 den Preis im Geburtshaus des Schriftstellers und Greifswalder Ehrenbürgers an Marcus Braun übergeben. Die Laudatio hält der Preisträger des Jahres 2018 Christoph Peters.

Zur Person des Preisträgers:
Marcus Braun wurde 1971 in Bullay an der Mosel geboren. Er studierte nach dem Zivildienst Germanistik und Philosophie in Mainz und Berlin. 1999 erschien sein Debütroman „Delhi“ im Berlin Verlag. Nach einer Romanveröffentlichung im Suhrkamp Verlag („Armor“ 2007) erschien zuletzt der Roman „Der letzte Buddha“ im Verlag Hanser Berlin (2017). Marcus Braun war unter anderem Stipendiat des war Stipendiat im Ledig-House Ghent, Staat New York, USA , in der Santa-Maddalena-Foundation in Donnini, Italien und lebte mehrere Jahre in Südfrankreich. Theaterstücke erschienen im S. Fischer Verlag und wurden unter anderem am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt. Marcus Braun lebt als Schriftsteller und Maler mit Frau und Tochter in Berlin und in Bullay an der Mosel.

Werke

Romane

Delhi, Berlin 1999.
Nadiana, Berlin 2000.
Hochzeitsvorbereitungen, Berlin 2003.
Armor, Frankfurt am Main 2007.
Der letzte Buddha, München 2017

Theaterstücke

Zett. Neues vom Untergang des Abendlandes, Mainz 1994
(Uraufführung: Frankfurter Hof, Mainz 1993)

Väter Söhne Geister, Frankfurt am Main, 2000
(Uraufführung: Städtische Bühnen Bielefeld, 2001)

Lernbericht. Revue, Frankfurt am Main, 2001
(Uraufführung: Theater Ulm, 2006)

Bilder von Männern und Frauen, Frankfurt am Main 2003
(Uraufführung: Nationaltheater Mannheim, 2007)

Deutsche Oper, Frankfurt am Main, 2005

Andras & Antonia, Frankfurt am Main, 2008

Der Berliner Gaettong, Frankfurt am Main 2009
(Uraufführung: Miryang, Korea 2007; Gastspiel an der Berliner Volksbühne 2008)

Übersetzungen (mit Gregor Kahlau):
Marcin Sendecki: Parzellen. Gedichte aus zehn Jahren. Dreieck-Verlag, Mainz 1997.

Hörspiele

Delhi. Regie: Oliver Sturm, Mitwirkende: Gunter Schoß, Martin Engler, Christin Marquitan, Traugott Buhre u.a., 46 min, SWR 2005.