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Cities for Life / Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe

„Cities for Life“ Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe

 

Nach einem Beschluss der Greifswalder Bürgerschaft ist die Universitäts- und Hansestadt Greifswald seit September 2016 Mitglied im weltweiten Netzwerk von Kommunen und Städten „Cities for Life – Cities against Death Penalty“.

Im Netzwerk setzen sich weltweit mehrere Tausend Städte für das Leben ein, um ein Moratorium der Todesstrafe im Hinblick auf ihre universale Abschaffung zu erreichen. Der 30. November wurde als Aktionstag ausgewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat offiziell ein Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe verabschiedet hat. Viele Städte beleuchten besondere Gebäude an diesem Tag in besonderer Weise, um die Bürger für dieses wichtige humanitäre Anliegen zu sensibilisieren.

 

Seit Beginn der Kampagne im Jahr 2002 wurden in über 100 Ländern Aktionen, Projekte, Veranstaltungen, etc. zur Sensibilisierung der Zivilgesellschaft für eine Kultur durchgeführt, die immer das Leben achtet (im vergangenen Jahr 2015 fast 3000 Aktionen). Der internationale Tag „Cities for Life” ist die weltweit größte Mobilisierung von Städten und Bürgern für Menschlichkeit und Achtung der Menschenrechte auch in schwierigen Situationen. In Deutschland haben sich in den vergangenen 15 Jahren fast 200 Städten am Aktionstag durch Veranstaltungen beteiligt: besondere Bestrahlungen bekannter Gebäude, Konferenzen, Dichterlesungen, schulische Projekte, Unterschriftensammlung für einen Appell zur universalen Abschaffung der Todesstrafe, etc.

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald hat sich mit dem Bürgerschaftsbeschluss verpflichtet, unter Einbeziehung von Bildungseinrichtungen, Vereinen und Initiativen sowie interessierten Einwohnerinnen und Einwohnern den 30. November als Aktionstag gegen die Todesstrafe zu begehen sowie Veranstaltungen zur Sensibilisierung der Einwohner zu organisieren.

 

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.santegidio.de/ bzw. http://nodeathpenalty.santegidio.org/en.aspx

 

Friedensglocke des Doms läutet zum weltweiten Aktionstag am 30.11. 2016

In Greifswald wird zu diesem Anlass die Friedensglocke des Dom zu jeder vollen Stunde geläutet, beginnend um 5:55 Uhr bis 23:55 Uhr. Damit lehnt sich Greifswald an das Läuten der Leipziger Goerdelerglocke, die zum Gedenken an Carl Friedrich Goerdeler, einem führenden Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, erinnert. Der Dom als christliche Kirche möchte damit ein deutliches Zeichen für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe setzen. Die Friedensglocke des Dom zeigt in der Mitte der Glocke umlaufend eine Schar Kraniche, die als Friedensboten durch unser Land und die Welt ziehen und deren Ruf so unverkennbar ist wie der von Glocken. Die Inschrift der Glocke lautet: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus 1,7. Die Glockenzier wurde von den Greifswalder Künstlerinnen Antje Heinrich-Sellering und Karin Wurlitzer gestaltet.

Aktuelles aus 2016

Im Dezember 2007 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum ersten Mal in der Geschichte mit großer Mehrheit eine Resolution für ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet, die im Dezember 2014 mit noch größerer Zustimmung zum wiederholten Male bestätigt wurde. Nun steht eine erneute Abstimmung im Dezember 2016 bevor.

Auch in diesem Jahr hat sich einiges auf dem Weg der Abschaffung der Todesstrafe getan. Im Oktober dieses Jahres fand im Parlament von Japan, das die Todesstrafe beibehält, auf Einladung von Sant’Egidio mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen und staatlichen Behörden erneut eine Konferenz über Möglichkeiten statt, diese Kampagne in Asien zu fördern und Wege in Richtung einer Abschaffung der Todesstrafe zu finden. Mittlerweile haben 140 Staaten der Erde die Todesstrafe ganz abgeschafft oder wenden sie in der Praxis nicht mehr an, nur eine Minderheit von 58 Staaten übt diese Praxis noch aus. Beim von Sant'Egidio organisierten internationalen Kongress für Justizminister aus Ländern mit und ohne Todesstrafe, haben weitere Länder Überlegungen begonnen, ihre Rechtsvorschriften in Richtung einer Einschränkung bzw. Abschaffung der Todesstrafe zu ändern. Ein starkes Signal erreicht uns aus Kenia, dort hat Präsident Kenyatta vor wenigen Tagen im Oktober alle 2747 Todesurteile in lebenslange Haftstrafen umgewandelt.

 

Leider bleiben aber besorgniserregende Nachrichten nicht aus. Insbesondere aus den Krisengebieten des Nahen Ostens sind im Zusammenhang mit dem Terrorismus steigende Vollstreckungszahlen zu registrieren, in der Türkei wird über eine Abstimmung im Parlament zur Wiedereinführung der Todesstrafe nachgedacht. Daher bleibt die Bedeutung dieses globalen Einsatzes für eine Kultur des Lebens bestehen und dringend erforderlich.

 

Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung mit über 60.000 Mitgliedern in 74 Ländern der Welt, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Sie engagiert sich unter Beteiligung zahlreicher Organisationen in der World Coalition against the Death Penalty im Kampf gegen die Todesstrafe und hat die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben“ gegründet. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte. Für die 1998 initiierte Unterschriftenkampagne für ein Moratorium der Todesstrafe hat die Gemeinschaft Sant’Egidio bisher fast 6 Millionen Unterschriften gesammelt. Außerdem pflegen Mitglieder von Sant’Egidio weltweit Hunderte von persönlichen Brieffreundschaften mit Todeskandidaten und unterstützen viele im persönlichen Einsatz.