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Pressemitteilungen

20.12.2019 – Rede des Oberbürgermeisters

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Liebe Greifswalderinnen und Greifswalder,

am Jahresende ist es Tradition, kurz zu verweilen, Rückschau zu halten und einen Blick nach vorn zu richten. Wie hat sich Greifswald 2019 entwickelt, was haben wir erreicht? Welche Pläne gibt es für das neue Jahr, und welche Ziele haben wir uns gesteckt?

Gerade anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution wurde vielen von uns wieder besonders bewusst, in welchem Maße die Stadt sich verändert, wie stark sie an Attraktivität gewonnen hat. Entgegen der Prognosen der 90er Jahre verzeichnen wir ein stetes Bevölkerungswachstum und erreichten 2018 eine Einwohnerzahl von knapp 62.000. Dies ist eine gute Nachricht für die Stadt, aber sie stellt uns auch vor besondere Herausforderungen. Wohnraum muss geschaffen werden, Kita-Plätze gilt es, in ausreichender Zahl und guter Qualität vorzuhalten, Schulen müssen saniert oder neu gebaut werden. Das Baugeschehen in Greifwald ist deshalb einer der zentralen Punkte in der Arbeit der Stadtverwaltung. Durch zahlreiche Beschlüsse der Bürgerschaft wird sichergestellt, dass Wachstum auch verantwortungsvoll stattfindet, dass wir unserer Verantwortung sowohl hinsichtlich sozialer Aspekte als auch in Bezug auf die Umwelt gerecht werden. Uns ist es nicht nur wichtig, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sondern auch, einer räumlichen Trennung der Wohngebiete nach Einkommen, Alter oder Nationalität entgegenzuwirken. Diese Prinzipien werden im neuen Wohngebiet, das wir zwischen Marienstraße und Straße an den Wurthen für rund 700 Wohnungen planen, Anwendung finden.

Daneben achten wir auf energieeffizientes, ressourcenschonendes Bauen. Der gelungene Ersatzneubau der Integrierten Gesamtschule „Erwin Fischer“, der zu Schuljahresbeginn 2019 im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel feierlich übergeben wurde, ist nicht nur ein moderner, einladender Ort zum Lernen und Lehren, sondern auch beispielhaft für nachhaltiges Bauen.

Nachhaltigkeit, liebe Greifswalder*innen, dieses Thema bewegt die Stadt nicht erst seit der Fridays-for-future Bewegung. Der von der Bundesregierung kürzlich vorgelegte Umweltbericht und der vom EU-Parlament ausgerufene Klimanotstand unterstreichen die Dringlichkeit aller von Verwaltung und Bürgerschaft beschlossener oder bereits umgesetzter Maßnahmen, sei es zur nachhaltigen Mobilität, Bauleitplanung oder Landwirtschaft, zur Renaturierung des Ketscherinbaches oder den klimaneutralen Flügen der Stadtverwaltung. Ein schöner Meilenstein in diesem Kontext wird die offizielle Anerkennung von Greifswald als Fair-Trade-Stadt im Januar nächsten Jahres sein.

Von weiteren Höhepunkten, denen ich 2020 mit Freude entgegenblicke, möchte ich hier nur drei nennen: die Fertigstellung unseres Archivneubaus, die Grundsteinlegung für das Zentrum für Life Science und Plasmatechnologie und den Beginn der Neugestaltung des Hanserings. Ein besonderes Ereignis wird der MV-Tag, der im September nächsten Jahres in Greifswald stattfindet.
Es ist mir auch weiterhin ein wichtiges Anliegen, Sie, liebe Bürger*innen, in möglichst viele dieser Prozesse einzubeziehen. Eine aktive Bürgerbeteiligung fand 2019 in mehr Projekten denn je statt: Bei der Erarbeitung von Masterplänen verschiedener Stadtteile, der Sportentwicklungsplanung, der Fortschreibung des Lärmaktionsplanes oder der Gestaltung von Kunst im Öffentlichen Raum. Regelungen für das Silvesterfeuerwerk 2020 werden auf einer fundierten Bürgerbefragung beruhen.

Eine transparente Stadtpolitik mit Bürgerbeteiligung auf vielen Ebenen bietet natürlich auch Raum für gegensätzliche Auffassungen. Diese abzuwägen, um Entscheidungen treffen oder Kompromisse erzielen zu können, ist Grundlage einer funktionierenden Demokratie. Leider werden Debatten auch in Greifswald teilweise unsachlich geführt, Andersdenkende werden persönlich angegriffen oder beleidigt. Auch Sprache und Stil von politischen Auseinandersetzungen - nicht nur in den sozialen Medien - verrohren zunehmend. Dem dürfen wir nicht kommentarlos zusehen, das kann nicht als Begleiterscheinung der heutigen Zeit hingenommen werden! Wir können doch nicht Mauern, die gefallen sind, und Waffen, die zu Pflugscharen wurden, durch Instrumente der Geringschätzung, der Gewalt und des Hasses ersetzen! Lassen Sie uns bitte wieder mit mehr Achtung, Rücksicht und Respekt voreinander, mit Verständnis und Offenheit füreinander auftreten.

2019, liebe Greifswalder*innen, wäre nicht wieder ein an kulturellen und sportlichen Veranstaltungen so reiches Jahr geworden ohne das unermüdliche Engagement von Ehrenamtlichen in Vereinen und Initiativen. Für ihren Einsatz und ihre Arbeit bedanke ich mich ganz herzlich. Mein Dank gilt auch allen, die sich in unserer Gesellschaft für die Unterstützung anderer einsetzen, und all denen, die mit Herzblut dafür sorgen, dass Greifswald attraktiv, bunt und weltoffen bleibt.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes Jahr 2020.

Ihr Dr. Stefan Fassbinder