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29.04.2021 – Vor 76 Jahren wurde Greifswald kampflos übergeben

Dr. Fassbinder, Sergei Netschajew, Oleg Eremenko und Manuela Schwesig
Dr. Fassbinder, Sergei Netschajew, Oleg Eremenko und Manuela Schwesig, Foto Presesstelle

Am 29. April 1945 wurde der Grundstein für die kampflose und friedliche Übergabe der Stadt Greifswald am Ende des Zweiten Weltkriegs gelegt. Hauptakteure und Unterzeichner eines entsprechenden Abkommens waren damals Stadtkommandant Rudolf Petershagen und der Kommandeur der 90. Schützendivision der Roten Armee Generalmajor Nikolai Grigorjewitsch Ljaschtschenko. An diesen bedeutenden Akt und den historischen Beitrag des russischen Generalmajors wurde heute am Ort des Geschehens im Greifswalder Rathaus erinnert. Sein Enkel, Oleg Eremenko, und Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder weihten feierlich eine Gedenktafel ein. Diese wurde im Beisein von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und des russischen Botschafters, S.E. Sergei Jurjewitsch Netschajew enthüllt. Dieser trug sich außerdem ins Goldene Buch der Stadt ein.

„Durch die kampflose Übergabe wurden nicht nur viele Menschen vor großem Leid bewahrt, sondern auch die Stadt vor ihrer Zerstörung.“, erinnerte Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder. „Die damals Verantwortlichen bewiesen Mut und Entschlossenheit, trotz des Wissens, ihr Leben zu riskieren. Die Ereignisse im April 1945 zeigen: man ist dem Schicksal nicht ausgeliefert. Das Leben gebietet uns zu handeln – zum Schutz der Mitmenschen.“ Für ihn sei unbestritten: „Erinnerung an Ereignisse des Krieges müssen immer Mahnungen zum Frieden sein.“

Der russische Botschafters, Sergei Jurjewitsch Netschajew, betonte: „Die Erinnerungskultur, die in Greifswald entwickelt wurde, liegt uns sehr am Herzen. Dafür bin ich sehr dankbar. Vernunft und Friedenswillen haben 1945 ausgeprägte Feindbilder überwunden. Diese friedliche Ostseekooperation bleibt auch in Zukunft erhalten.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erklärte: „Wir sind Russland dankbar für die Befreiung vom Nationalsozialismus und den Moment der Menschlichkeit in Greifswald. Die Stadt mit ihrem Gedenken trägt dazu bei, dass die Geschichte mit ihren vielen Facetten aufgearbeitet wird und in Erinnerung bleibt. Die konkrete Erinnerung vor Ort ist wichtig, gerade auch für die jüngere Generation“, sagte sie mit Blick auf die Gedenktafel.

Der Enkel des Generalmajors, Oleg Eremenko, sprach der Stadt Greifswald im Namen der Familie seinen tiefsten Dank für die Ehrung seines Großvaters aus. Sehr bewegt erinnerte  er in Form eines Briefes an seinen Großvater an dessen Leben und Leistung. Als Zeichen der Dankbarkeit übergab er der Stadt Greifswald ein historisches Foto, auf dem Nikolai Grigorjewitsch Ljaschtschenko gemeinsam mit Rudolf Petershagen abgebildet ist sowie Kopien aus dem Archiv des Verteidigungsministeriums, welche unter anderem die Momente der friedlichen Übergabe der Stadt Greifswald beschreiben. Außerdem verlieh er der Stadt Greifswald posthum die Medaille „Für Offiziersehre“ an Rudolf Petershagen.

Die 30 mal 40 Zentimeter große Gedenktafel aus Edelstahl hat künftig in der 1. Etage des Rathauses neben der Eingangstür zum Büro des Oberbürgermeisters ihren Platz - dem historischen Ort, an dem das Schriftstück zur kampflosen Übergabe unterzeichnet wurde.

Initiiert wurde sie durch den Enkel des Generalmajors. Nikolai Grigorjewitsch   Ljaschtschenko ist seit 11.5.1980 Ehrenbürger der Stadt Greifswald. Oleg Eremenko setzte sich nicht nur in der Universitäts- und Hansestadt mit großem Engagement für eine würdige Erinnerung an seinen Großvater ein, sondern auch in Greifswalds befreundeter Stadt Wyborg, in der N.G. Ljaschtschenko erster Stadtkommandant war. In Wyborg selbst wird am 30. April eine Ausstellung zum Andenken an N.G. Ljaschtschenko eröffnet.

Zur Partnerschaft zwischen Greifswald und Wyborg:

Greifswald und Wyborg unterzeichneten im September 2018 im Beisein von Bundesaußenminister Heiko Maaß zum Abschluss des Deutsch-Russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaften in Berlin feierlich den Kooperationsvertrag.

Seither wird die Partnerschaft durch kontinuierliche Kontakte und Projekte aufgebaut. Unter anderem präsentierten sich beide Städte im vergangenen Jahr im Rahmen der Deutschen Woche in St. Petersburg mit dem gemeinsamen Videoprojekt „Auf den Spuren der russischen, bzw. deutschen Geschichte“ von Schüler*innen des Humboldt-Gymnasiums und des Kinder- und Jugendzentrums der Stadt Wyborg. Nachdem im vergangenen Jahr die Teilnahme am Jugendbildungsforum und an einem internationalen Fußballturnier in Wyborg coronabedingt abgesagt werden musste, ist die Freude umso größer, dass sich Wyborg im Rahmen des diesjährigen Nordischen Klangs präsentiert.

Rede von Uwe Kiel, Leiter des Greifswalder Stadtarchivs zur Einweihung einer Gedenktafel zu Ehren des Kommandeurs der 90. Schützendivision der Roten Armee Generalmajor Nikolai Grigorjewitsch Ljaschtschenko