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14.06.2018 – Stadt verleiht Wolfgang-Koeppen-Preis für Literatur 2018 an Christoph Peters

Christoph Peters - Koeppenpreisträger 2018 (c) Luchterhand Literaturverlag
Christoph Peters - Koeppenpreisträger 2018 (c) Luchterhand Literaturverlag

Am Sonnabend, 23. Juni 2018, dem Geburtstag Wolfgang Koeppens, wird der Oberbürgermeister der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, Dr. Stefan Fassbinder, den Wolfgang-Koeppen-Preis an Christoph Peters übergeben.

 

Die Verleihung findet um 16:00 Uhr im Geburtshaus des Schriftstellers und Greifswalder Ehrenbürgers im Literaturzentrum Vorpommern in der Bahnhofstraße 4-5 statt.

Die Laudatio hält der Preisträger des Jahres 2016 Dr. Thomas Hettche.

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald verleiht seit 1998 alle 2 Jahre den mit 5.000 Euro dotierten Wolfgang-Koeppen-Preis. Mit ihm wird ein literarisches Wirken gewürdigt, das in ähnlicher Weise wie das Werk Wolfgang Koeppens dem unvollendeten Projekt der literarischen Moderne verbunden, seiner Zeitgenossenschaft eingedenk bleibt und nicht zuletzt in seiner sozialen Sensibilität dem Werk Koeppens vergleichbar ist. Der jeweils letzte Preisträger schlägt immer den neuen vor. Bisherige Preisträger waren Richard Anders (1998), Thomas Lehr (2000), Susanne Riedel (2002), Ludwig Fels (2004), Bartholomäus Grill (2006), Sibylle Berg (2008), Joachim Lottmann (2010), Anna Katharina Hahn (2012), Karl-Heinz Ott (2014) und Thomas Hettche (2016). 

Zu Christoph Peters:

Christoph Peters wurde am 1966 in Kalkar geboren. Als Schüler besuchte er das bischöfliche Internatsgymnasiums Collegium Augustinianum Gaesdonck in Goch. Nach Abitur und Zivildienst studierte er von 1988 bis 1994 freie Malerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe bei Horst Egon Kalinowski und Günter Neusel. Er verließ die Akademie als Meisterschüler des Bildhauers und Objektkünstlers „Meuser“. In den Jahren 1992 und 1993 besuchte er erstmals Istanbul und Kairo und hat seither immer wieder ausgedehnte Reisen in die islamische Welt unternommen. In den Jahren 1995 bis zur Jahrtausendwende arbeitete er als Fluggastkontrolleur am Flughafen Frankfurt am Main. Zu den zahlreichen Auszeichnungen seiner literarischen Arbeit zählen u. a. der „aspekte“- Literaturpreis (1999), Poetikdozenturen an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur der Universität Mainz (2004), der Universität Tübingen (2008), der Universität Paderborn (2014/15) und zuletzt 2016 der Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Darüber hinaus ist Peters Mitglied des PEN Zentrums Deutschland. Derzeit werden seine Werke im Luchterhand Literaturverlag veröffentlicht.

Thomas Hettche begründet seinen Vorschlag wie folgt:

 „ … Wie wenige andere arbeitet der 1966 geborene Peters seit seinem fulminanten Debüt „Stadt Land Fluß“ von 1999 an einem erzählerischen Werk, das sich einerseits ganz auf die soziale Wirklichkeit deutscher Gegenwart einlässt, andererseits Erfahrungen von Fremdheit im Zusammentreffen der Kulturen immer neu gestaltet. Ob die Welt der japanischen Keramik in „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ (2014) oder die Bedrohung durch den Terrorismus in „Ein Zimmer im Haus des Krieges“ (2006) - immer eröffnet die erzählerische Genauigkeit von Christoph Peters der Faszination des Fremden ebenso wie unserer Angst vor ihm einen Raum. Das macht seine Romane zu hochaktuellen Kommentaren unserer gegenwärtigen Debatten. Mit Koeppen teilt er dabei vielerlei: Die Unvoreingenommenheit des Blickes auf die Menschen, die tiefe Sehnsucht nach der einen Ferne, die mehr als Phantasie ist, sondern bereist sein will, und dabei das Wissen um den konkreten Ort, von dem aus man schreibt. … “

Christoph Peters bedankte sich für die Ehrung beim Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder mit den Worten:

„Wolfgang Koeppen ist für mich in der Zeit, als ich selber Schriftsteller werden wollte und schließlich einer geworden bin - zwischen 17 und 30 –, ein großes Vorbild gewesen. Vor allem seine einzigartige Sprachkraft hat mich damals begeistert – dem wollte ich nacheifern –, und seine Krisen haben mich getröstet, wenn ich selbst nicht mehr weiterwusste. Insofern bin auch sehr stolz seinen Namen künftig sozusagen in meinem eigenen Lebenslauf zu haben.“

Peters lebt mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter in Berlin und praktiziert die japanische Teezeremonie. Er pflegt familiäre und freundschaftliche Beziehungen in die Welt des nahen und fernen Osten und eine melancholisch-resignierte gestimmte Sicht auf die Welt.

„So oder so geht es merkwürdig zu auf der Welt. Kaum jemand weiß, wie man richtig lebt, aber ständig werden neue Versuche unternommen, es anders und besser zu machen. Welche gelingen, weiß auch niemand, trotzdem hört man allerorten entschiedene Urteile, die sich mit Vorliebe widersprechen. Wir können also getrost davon ausgehen, dass die meisten falsch sind.“                                                                                   Christoph Peters