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Zur Geschichte des Carl-Paepke-Platzes und des Päpke-Denkmals

 

Die feierliche Übergabe der Päpke-Büste am 12. Juli 2017 – auf den Tag genau 150 Jahre nach der Ersteinweihung – ist Anlass, einen Blick auf die Geschichte des heutigen Carl-Paepke-Platzes und des Denkmals zu werfen:

 

Schon bald nach dem Ableben des Greifswalder Bürgermeisters Dr. Carl Päpke am 27. Juni 1858 gab es Bestrebungen, dem Verstorbenen ein Denkmal zu setzen, um seine Verdienste für die Stadt dauerhaft zu würdigen. Der 1797 geborene Päpke, der seinen Namen selbst stets mit „ä“ (nicht „ae“) schrieb, hatte seit 1846 als Bürgermeister die Geschicke der Stadt gelenkt.

 

Ein aus angesehenen Bürgern der Stadt sich konstituierendes Komitee setzte es sich in enger Abstimmung mit dem Magistrat und dem Bürgerschaftlichen Kollegium zum Ziel, „einen in der Nähe der Bahn hieselbst gelegenen Platz […] mit einer einfachen, in Erz geformten Büste des Verewigten zu schmücken und diesen Platz als Päpke-Platz zu bezeichnen“. Der Standort in der Nähe des Bahnhofs war mit Bedacht gewählt, galt Päpke doch bereits den Zeitgenossen als Wegbereiter des freilich erst nach seinem Tode, 1863, erfolgten Anschlusses Greifswalds an das Eisenbahnnetz.

 

Im November 1864 hatte das Päpke-Komitee die erforderliche Summe aus Spenden zusammengetragen. Bei einem Vororttermin auf dem Bahnhofsvorplatz am 15. Juni 1867 verständigte man sich mit Vertretern der Stadtverwaltung darauf, dass das Denkmal gegenüber dem Bahnhofsgebäude in der Mitte der Anlage errichtet werden und der Platz „von jetzt an“ die Benennung „Päpke-Platz“ erhalten solle. Der Magistrat stimmte dem zu; Carl Päpke war somit der erste Greifswalder Bürgermeister, dem – abgesehen vom Universitätsgründer Heinrich Rubenow – die Ehre eines eigenen Denkmals zuteil wurde.

 

Mit der Ausführung des Denkmals wurde der Berliner Bildhauer Bernhard Afinger (1813-1882), der in Greifswald bereits durch seine Mitwirkung an dem 1856 eingeweihten Rubenow-Denkmal in Erscheinung getreten war, beauftragt. Das Päpke-Denkmal bestand aus einer viereckigen, ca. sechs Fuß hohen Granitstele und der darauf platzierten Büste aus Marmor. Der Sockel erhielt die Inschrift: „Für Rath und Tath dem Bürgermeister Dr. Paepke zum Dank von seinen Freunden und Mitbürgern 1866.“ Es wurde am 12. Juli 1867 mit einem feierlichen Akt in Anwesenheit des Bürgermeisters Daniel Teßmann, der städtischen Gremien und des Päpke-Komitees auf dem Platz vor dem Bahnhof, dem künftigen Päpke-Platz, enthüllt. Als Vertreter des Päpke-Komitees hielt der Senator und spätere Bürgermeister Hugo Helfritz die Lobrede auf den Verstorbenen. Die Stadtkapelle intonierte die Choräle „Lobe den Herrn“ und „Nun danket Alle Gott“, und die Häuser der Stadt waren mit Flaggen geschmückt.

 

Etwa ein Jahr nach der Denkmalsenthüllung, im Juli 1868, wurde die Päpke-Büste „durch ruchlose Hand“ heruntergestürzt und zertrümmert. Die Stadt ließ die Büste wieder zusammenkitten, sie wurde jedoch immer wieder beschädigt und bot alles andere als einen würdigen Anblick. 1874 sah sich die Stadt genötigt, zum Schutz ein eisernes Gitter zu errichten.

 

1886 wurde die Marmorbüste durch einen Bronzeguss ersetzt, ausgeführt von der Berliner Firma Herrmann Gladenbeck. Anders und optisch gefälliger als die bisherige Marmorbüste stand die nunmehrige bronzene Büste auf einem schmalen rechteckigen Fuß, welcher die Verbindung zwischen Postament und Büste herstellte.

 

Bald machten sich erneut Sanierungsarbeiten am Päpke-Denkmal bzw. an dessen Einfriedung erforderlich. 1904 wurde die durch Witterungseinflüsse gänzlich verschwundene Vergoldung der Inschrift erneuert. 1938 – während der gärtnerischen Umgestaltung des Päpke-Platzes – stand das Denkmal auf dem Hof des Heimatmuseums. Die bronzene Porträtbüste wurde 1942 demontiert und für Zwecke der Rüstungsproduktion eingeschmolzen. Die Granitstele blieb erhalten und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg an den Rand des Päpke-Platzes versetzt, der allerdings 1946 in Karl-Liebknecht-Platz, 1950 in Lenin-Platz und 1991 in Bahnhofplatz umbenannt wurde und zuletzt als Zentraler Omnibusbahnhof diente. 1987 wurde ein kleiner Teil der Fläche neben dem 1976 eingeweihten Busbahnhof, darunter das Areal, auf dem die Stele stand, dem in nordwestlicher Richtung angrenzenden Konsistorium der Evangelischen Landeskirche Greifswald (ab 1990: Pommersche Evangelische Kirche) zugeschlagen.

 

Die Anregung, das Päpke-Denkmal an seinen historischen Platz zurückzuversetzen, kam im Oktober 2011 von der Eisenbahnseniorengruppe und wurde von engagierten Bürgern und der Politik aufgegriffen. Am 1. November 2013 erfolgte die Umbenennung des Bahnhofplatzes in Carl-Paepke-Platz auf der Grundlage eines Bürgerschaftsbeschlusses vom 16. September desselben Jahres. Im Zuge der Umgestaltung dieses Platzes wurde die Stele (noch ohne Büste) im Herbst 2016 aus dem Garten des Konsistoriums dorthin versetzt.

 

Mit der Anfertigung einer Replik der Büste wurde im Rahmen eines von der AG Kunst im öffentlichen Raum begleiteten Vergabeverfahrens Anfang 2017 die Firma 3A Kunstguss Lauchhammer GmbH beauftragt. Die Rekonstruktion erfolgte nach im Stadtarchiv vorhandenen alten Entwurfszeichnungen und historischen Postkarten aus Privatsammlungen. Am 19. Mai 2017 wurde der Neuguss der Büste auf der Stele montiert, deren Inschrift bereits eine Woche zuvor durch den Greifswalder Steinmetzbetrieb Manfred Schapat neu vergoldet worden war.

 

Uwe Kiel

Stadtarchiv Greifswald

 


 

Weitere Informationen über Carl Päpke sind enthalten in der Broschüre:

Uwe Kiel / Dieter Grusenick: Carl Päpke (1797-1858) – verdienstvoller Greifswalder Bürgermeister und Eisenbahnpionier, Greifswald 2013 (erhältlich im Stadtarchiv).